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Der todte Dichter

Der todte Dichter (Zum Gedächtnis Leopold Jacobys.) Er lag im off’nen Sarge, Und die verstummte Lippe sprach: “Mein Leben lieh, das karge, Mir Leid zum Lohn; feind war ich aller Schmach. Ich gab nicht preis mein Lied und Wort, Die Zunge wäre mir verdorrt, Der Freiheit blieb ich treugesinnt, Mir träumt, ich war ihr liebstes Kind.” Sprach die verstummte Lippe Aus off’nem Sarg hervor – Ueber den Friedhof der Frostwind fuhr, Sein dunkles Grablied sang der Chor. Die ersten Schollen deckten Des todten Dichters schmales Haus; Mir war drei Flammen reckten Sich ätherzüngelnd aus der Gruft heraus. Die rote sprühte Wahrheitsmut, Schönheit blüht auf in blauer Glut, in großer, weißer Flamme stieg Der Glaube an des Edlen Sieg. – Die ersten Schollen deckten Des todten Dichters schmales Haus… Mir war, drei Flammen leckten Und reckten züngelnd sich zur Gruft heraus. Die rothe sprühte Freiheitsmut, Schönheit blüht’ auf in blauer Glut, In großer, weißer Flamme stieg Der Glaube an der Menschheit Sieg. Die ersten Schollen deckten Des todten Dichters Haus… Zwei treue Augen sah ich glänzen, …

An Leopold Jacoby

An Leopold Jacoby Wie hast du wieder mich durchschüttert! Dein Lied von meinen Lippen klang. Vom Auge mir die Zähre sprang, Am ganzen Leib bin ich erzittert… Sag’, Leopold Jacoby, sage! Aus welchem Quell quoll solche Klage? Ein Jüngling, kaum am Kinn ein Haar, Wie wurdest du so groß, so wahr? Aus welchen Leides Finsternissen Fuhr deines Liedes Licht empor? Welch’ Weh hat deine Brust zerrissen, Das diese Schönheit aufbeschwor? Sieh’! Wie wenn rüttelt Sturmgewalt An Hochgebirges Thurmbasalt, Auf seinem Haupt die Wälder heulen, Doch ruht sein Rumpf auf sichern Säulen, So stößt in jenem Lied dich an Der Schmerz, du bebst und stehst — ein Mann! — — — Laut will ich’s vor den Leuten sagen, Was die Kritik, die Dirne, hehlt: Du hast zuerst in unsern Tagen Das Elend dichterisch beseelt. Du hast mit blutender Erkenntniß Zuerst das Lied der Noth gegellt Und mit durchdenkendem Verständniß Die Zukunft rhythmisch aufgehellt. O wie sich schmetternd zu mir schwang “Der deutschen Sprache Lobgesang.”*) Und mit dir jauchz’ ich in sel’ger Qual: Nun wirst du blühen …

Glühlichtkrone

Glühlichtkrone (Meinem lieben Leopold Jacoby.) Mild füllt der Kranz aus blauen Höh’n Die Galerie mit Licht. So glüht sein Geist mir rein und schön Und flieht und flackert nicht. Die zarte Strahlenkrone neigt Sich auf sein ruhig Haupt, Indeß um mich der Sturmbrand steigt Und qualmend mich bestaubt. Gern schimmerte so silberklar Auch ich, ein stiller Held, Aus blauen Höhen wunderbar In diese laute Welt. Dann tauchte manches Auge müd In meine sanfte Fluth Und lauschte leisem Siegeslied Und badete sich Muth. Trutznachtigall, Stuttgart 1891, S. 100-101. Online