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Die Monatsschrift “PoIis”

Die Monatsschrift “PoIis” hat ihrem März-Heft eine Zeichnung von Fidus: “Ave Maria” beigelegt, die unsere längst feststehende Ansicht bestätigt, daß dieser Zeichner, sobald er statt der kleinen nackten Kinderfigürchen, die ihm so wohl gelingen, sich aufs allegorische Pathos einläßt, auf bedauerliche Abwege gerät. Das Bild mag in der Erfindung stilisierter Linien gewisse rein künstlerische Vorzüge haben, die von den Zunftgenossen des Zeichners technisch gewürdigt werden; aber der Gesamteindruck, den dieses nackte ekstatische Weib und der hinter ihr stehende, sie unterm Kinn fassende Gottvater machen, ist ein abstoßender, widerwärtiger. Der textliche Inhalt auch dieses vierten Heftes ist Weltverbesserung. Der Redakteur (Dr. Johannes Widmer) erhebt gegen die Gymnasialkultur, gegen die Pflege der alten Sprachen seine Stimme; Einführung polygamischer Verhältnisse befürwortet einer, der sich “August der Starke” nennt (im Zirkus hat der August gewöhnlich ein anderes Epitheton). Den ethischen Gehalt des Streiks erklärt uns Max Tobler. Rudolf Willy gibt einen Dialog zwischen Nietzsche und Stirner, Nietzsche als Engel Gabriel, Stirner als Samiel. Während die beiden geistreich diskutieren, brennt das Nietzschearchiv in Weimar ab, was Nietzsche mit großer Genugtuung …

Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche Nietzsche, du Dichter unter den Weisen, Großer Einsamer unter den Winzigen. Wortgewaltiger unter den Schwätzern! Deine Lehre vom Mitleid klag’ ich. Mitleid kann die Tugend der Schwachen, Leidenschaft kann sie der Starken sein. Das heroische Mitleid rühm’ ich, Seine Thaten und seine Lieder, Deine Lehre sät Irrtums Saat. O du Tanzender unter den Denkern, Denkerkünstler unter den Plattfüßern Philosophasternder Mammutei! Der du leuchtende Lyriktafeln Mit erhabenen Rhythmen beschrieben, Wortblitzschwingender, lachender Fürst! Schlug der fittichdüstere Wahnsinn Schauerlich schattend über dein Haupt? Armer König, du birgst an der Mutter Treuer Brust dein zerschmettertes Haupt? Wandle träumend in Überwelten Löse Dich leidlos spielend ins All! Siehe, ich sah einen kranken Löwen, Der an den speerscharfen Stangen des Kerkers Brüllend zerrissen sein mächtiges Haupt… Röchelnd lag er im Dämmer des Wahns… Ueber-Löwen umwandelten ihn. Aber die Unter-Läuse der Schreiber Wimmelten juckend in seinem goldnen Majestätisch mähnigen Fell…… Friedrich Nietzsche Nietzsche, du Dichter unter den Weisen, Großer Einsamer unter den Winzigen. Wortgewaltiger unter den Schwätzern! Deine Lehre vom Mitleid klag ich. Mitleid kann die Tugend der Schwachen, Leidenschaft …